07.06.2018

PM Bibliothèque Humaniste – Ein Schatz der Renaissance (Juni 2018)

Nach vierjähriger Neugestaltung wieder geöffnet Eröffnungswochenende am 23. und 24. Juni mit freiem Eintritt
Die Bibliothèque Humaniste im elsässischen Sélestat gilt als eine wahre Schatzkammer der Renaissance am Oberrhein. 2011 wurde die Bibliothèque Humaniste mit der Sammlung Beatus Rhenanus zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt. Seit 2014 wurde sie nun baulich völlig neu gestaltet und öffnet für Besucherinnen und Besucher mit einem Eröffnungswochenende vom 23. – 24. Juni 2018 wieder ihre Pforten.

Die Neugestaltung der Bibliothèque Humaniste steht im Rahmen einer umfassenden städtebaulichen Neukonzeption Sélestats, die vor allem eine Aufwertung der historischen Innenstadt mit sich bringt. Mit der 2016 erhaltenen Auszeichnung als ‚Stadt der Kunst und Geschichte’ (Ville d’Art et d’Histoire) wird dieses vielfältige Konzept in besonderem Maße gewürdigt.

Die Gesamtkosten des Umbaus belaufen sich dabei auf 14,39 Mio. €, von denen der französische Staat 1,58 Mio. €, die Region Grand-Est und das Departement Bas-Rhin je 1,5 Mio. € übernommen haben. 49 % der Summe, genau 7,08 Mio. € wurden von der Stadt Sélestat investiert.


Historischer Abriss
Seit dem 14. Jahrhundert wehte ein neuer Wind durch Europa – der Wind des Humanismus und der Renaissance. Sélestat, günstig gelegen zwischen den damals geistigen Zentren Italiens und der Niederlande, hat durch seine im gesamten ‚Heiligen Römischen Reich’ anerkannten ‚Lateinschule’ zwischen 1440 und 1526 entscheidenden Anteil an der Verbreitung dieser neuartigen Ideen. Aus dieser Zeit resultiert ein unschätzbar wertvolles Erbe: Die Bibliothèque Humaniste. Dort befinden sich Werke aus der ehemaligen Pfarrbibliothek und der persönlichen Bibliothek von Beatus Rhenanus sowie Werke, die im Laufe der Zeit erworben oder der Bibliothek übergeben wurden.

Die in ihrer Gesamtheit einzigartige Pfarrbibliothek gründet auf einer Schenkung ihres Rektors Johannes von Westhuss (1452), die dann Stiftungen vor allem ehemaliger Schüler der berühmten Lateinschule nach sich zog.
Die Mess- und Unterrichtsbücher werden in der St. Georgs Kirche gut gesichert aufbewahrt. Obwohl es bis heute kein Verzeichnis der Werke gibt, konnten 2002 insgesamt 160 Bände katalogisiert werden, die in der Übergangszeit zum Druck entweder noch von Hand oder schon gedruckt gefertigt wurden.

Im Juli 1547 verstirbt Beatus Rhenanus (*1485) und vermacht der Stadt Schlettstadt seine Bibliothek aus 423 Bänden, sowie 1287 Werke und 41 Handschriften zu denen noch ältere 33 Handschriften wie Wiegendrucke und 255 Briefe gehören. Neben Zeugnissen humanistischer Erziehung belegen die Werke seinen Wissensdurst, seine herausgeberischen Aktivitäten sowie seine freundschaftlichen Beziehungen zu den Geistesgrößen jener Zeit, wie Erasmus von Rotterdam. Die Themenbreite, die unterschiedlichen Sprachen und Erscheinungsorte legen Zeugnis des universellen Geistes des Humanismus ab. 1557 werden die Werke mit der Pfarrbibliothek zusammengelegt.
1840 verbrachte man die Sammlung in das Rathaus, 1889 in das ehemalige Kornhaus – damit begann ihre wissenschaftliche und auch touristische Inwertsetzung. 1958 gestaltete man den großen Saal mit Schaukästen, um einige bemerkenswerte Exemplare ausstellen zu können. Mit der Einrichtung eines interkommunalen Medienzentrums wurde die öffentliche Bücherei 1997 ausgelagert – die Bibliothèque Humaniste konnte sich auf ihre konservatorischen Aufgaben und die Präsentation der Sammlung konzentrieren. Diese sind durch Erwerb und Schenkungen auf 460 Handschriften, 550 Inkunabeldrucke (alle vor dem 1. Januar 1501) und fast 2500 Drucke aus dem 16. Jahrhundert angewachsen.

Darunter befinden sich ein liturgisches Lesebuch aus dem 7. Jahrhundert, das älteste im Elsass aufbewahrte Buch, das Wunderbuch des Heiligen Fides (Foy) von Agen aus dem 11. – 14. Jahrhundert, eine Bibel aus dem 13. Jahrhundert, das Schulheft von Beatus Rhenanus 1489 – 1499, eine Einführung in die Kosmographie Martin Waldseemüllers, die den Namen Amerika für den neu entdeckten Erdteil vorschlägt. Ein Werk von Erasmus von Rotterdam von 1522, von Geiler von Kaysersberg, die Nürnberger Chronik von 1493 und viele andere mehr belegen den unvergleichlichen Schatz, den die Bibliothèque Humaniste birgt und der nun wieder zur Besichtigung zugänglich gemacht werden konnte. Insgesamt besitzt die Bibliothek 70.000 Einzelbestände.

Im EU-Vertrag von Lissabon wurden 2007 die universell gültigen Werte des Humanismus als Grundlagen europäischer Geistesgeschichte festgeschrieben – aus ihnen erwachsen die Menschenrechte wie die Ideen der Freiheit und Demokratie.
Die Bibliothèque Humaniste von Sélestat bewahrt jene geistigen und grenzüberschreitenden Schätze des oberrheinischen Humanismus in den Werken von Erasmus oder Beatus Rhenanus. In ihren Werken rückten sie den aufgeklärten, freien und selbstverantwortlichen Menschen in den Mittelpunkt – ihr Denken überdauert die Jahrhunderte und ist aktueller denn je. Die Bibliothek am Oberrhein sieht ihre Aufgabe auch darin, den deutsch-französischen Dialog zu befördern.


Bauliche Neugestaltung der Bibliothèque Humaniste zwischen historischem Erbe und attraktiver Moderne“

Die Neugestaltung einer modernen und attraktiven Bibliothek wurde dem renommierten Architekten Rudy Ricciotti anvertraut, dessen Umsetzung es erlaubte, die Grundfläche der Bibliothek durch einen Anbau und den Ausbau des Untergeschosses zu verdoppeln.
Die Neugestaltung bewahrt in einer L-Form den neo-romanischen Stil des Kornhauses, der durch 25 Vogesen-Sandsteinsäulen auf der Süd- und Ostseite für erhöhte Transparenz sorgt. Die Gebäudestruktur von 1840 wurde durch eine ästhetische und luftig-anmutende Stahlkonstruktion gefestigt, die ebenfalls den romanischen Stil in seiner gesamten Gebäudedimension betont. Im Innern wird eine multifunktionale Nutzung ermöglicht, wird der Schutz und die sichere Aufbewahrung der Sammlung erhöht und durch die Optimierung am Empfang mit einem einladenden Aufenthaltsbereich eine besucherspezifische Betreuung gewährleistet.
Zur Konservierung der wertvollen Bestände sind Rumtemperaturen von 18 - 20° C nötig, die Luftfeuchte darf 55 % nicht übersteigen. Jahr um Jahr wird mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt, des Freundeskreises des Museums und zahlreicher Gönner, wertvolle Werke zu ihrer Erhaltung restauriert.

Dauerausstellung

Im Mittelpunkt der Dauerausstellung stehen ohne störende Zwischenwände die wertvollen Werke Beatus Rhenanus. Die Werke werden dabei in einer angenehm zugänglichen Höhe präsentiert, um den Gesamteindruck des Gebäude-Innern nicht zu zerstören. Die Anordnung der Schaukästen soll dabei auch an die Pulte der Mönche erinnern, die dort die Werke von Hand erstellten.
Für die Gestaltung wurde das Atelier A Kiko gewonnen, das die Werke in Textauszügen, unter Vitrinen oder je nach individuellem Interesse auch interaktiv entdecken lässt. Durch die Wahl der abgedunkelten Baumaterialien und Möbelstücke wird eine meditative Stimmung erzeugt, die aber im dahinter liegenden Lesesaal auf aktive Weise aufgehoben werden kann.
Sechs Ausstellungsräume umfasst der individuell zu entdeckende Rundgang auf den Spuren des Lebens und der 670 Werke von Beatus Rhenanus – alle Hinweise sind auch in deutscher Sprache abgefasst.
154 mittelalterliche Handschriften und 1611 Drucke aus dem 15. und 16. Jahrhundert können Werk um Werk aber auch digital entdeckt werden. Seit 2009 hat die Bibliothek begonnen, ihre Bestände zu digitalisieren, 1253 Titel sowie die Korrespondenz von Beatus Rhenanus wurden bereits erfasst, was einem Seitenumfang von 250 000 Seiten entspricht!
Virtuell und auf spielerische Weise kann man durch die berühmtesten Werke blättern, Textstellen heranzoomen und sich über hinterlegte Verweise umfassend informieren. Nicht nur sehend, auch hörend kann man sich den Werken nähern, so einem Auszug aus Sebastian Münster ‚Kosmographie’. Und interaktiv geht es auch an die Gestaltung einer modernen Ausgabe des Wunderbuches des Heiligen Fides.

Ein Modell Sélestats zeigt die Stadt während der Renaissance, die Fortschritte in der Kosmographie sowie die archäologischen Funde, wie eines Grabes aus der karolingischen Zeit, die sich unter der Bibliothek befanden. Ein Altar aus dem 16. Jahrhundert illustriert die Macht der katholischen Kirche, die aber ab 1520 durch die reformatorischen Ideen Luthers zu wanken begann ebenso wie der Übergang der Handschriften zum Druck eine Revolution darstellten.

Neben der Dauerausstellung sind interessante Wechselausstellungen geplant. Der Beginn erfolgt mit dem Fotografen Dominique Pichard, der die mehrjährigen und gesamten Bauarbeiten im Bild festgehalten hat (noch bis 09. September). Ab 15. September – 31. Dezember gibt das Museum einen kleinen Überblick aus der reichhaltigen Sammlung von 2000 Kunst- und anderen Gegenständen, die ihm im Laufe der Jahre gestiftet wurden.





Allgemeine Infos
Eröffnungswochende: 23. und 24. Juni 10.00 – 12.30 Uhr / 13.30 – 18.00 Uhr (Freier Eintritt)

Öffnungszeiten :
Mai – September / Dezember : Dienstag – Sonntag, 10.00 – 12.30 Uhr / 13.30 – 18.00 Uhr
Februar – April / Oktober – November: Dienstag – Sonntag, 13.30 – 17.30 Uhr

Einlass bis 30 Minuten vor Schließung

Geschlossen: Montags, 01. – 31. Januar, 1. Mai, 25. – 26. Dezember

Eintrittspreise : Erw.: 6 €, Kinder von 7 - 18 J.: 4 €, mit Ermäßigung: 4 €, Gruppen über 15 Personen: 4 €, Familientarif mit 2 Erw. und 2 Kindern (7 – 18 J.): 16 €.
Jahrespass : 16 €

Regelmäßige Führungen für Individualbesucher:
Einstündige Führungen von Mai - September / Dezember dienstags bis sonntags um 11.00 und15.00 Uhr
Februar - April / Oktober - November dienstags bis sonntags um 15.00 Uhr
Kosten: Museumseintritt + 2 €

Gruppenführungen (1,5 Std. mit Reservierung)
Unter 15 Personen: Museumseintritt + 85 € / Gruppe
Über 15 – max. 25 Personen: Museumseintritt + 85 € / Gruppe

Anfahrt
PKW:
Von Norden: Autobahn A35, Ausfahrt Nr. 16 Sélestat centre - ZI Nord,
von Süden : Autobahn A 35 bis Colmar, dann RN 83, Ausfahrt Nr. 18 Sélestat Centre, von Osten: ab Marckolsheim D 424

Parken
Bei der Tourist Information (10 Boulevard du Général Leclerc) – 2 Minuten vom Museum für PKW und Busse.
In 200 Metern Entfernung vom Museum: 44 Plätze, davon 1 behindertenfreundlicher Parkplatz.

ÖPNV

Der Bahnhof befindet sich in 10-minütiger Entfernung vom Museum – regelmäßige Zug-Verbindungen zwischen Strasbourg und Colmar / Mulhouse

Zugang zur Bibliothèque Humaniste
In der Bibliothèque Humaniste gibt es einen Aufzug, alle Räume sind behindertenfreundllich erreichbar. Für Haustiere ist der Zugang nicht erlaubt, ausgenommen Begleit- oder Blindenhunde etc.
Museums-Boutique
Neben thematisch passenden Büchern werden auch entsprechende Souvenirs angeboten.

Service
Im Aufenthaltsraum / Salon Erasmus steht ein Getränkeautomat usw. zur Verfügung.
Kostenlose Garderobe

Lesesaal : 10 Plätze, dienstag- und donnerstagvormittags während der Öffnungszeiten. An den anderen Tagen auf Reservierung.


BIBLIOTHÈQUE HUMANISTE
1 Place Docteur Maurice Kubler
F - 67600 Sélestat

Tel +33 (0)3 88 58 07 20
contact@bibliotheque-humaniste.fr
www.bibliotheque-humaniste.fr

#selestat
#bibliothequehumaniste

Pressekontakt (in deutscher Sprache)
Mairie de Sélestat - Anne Sophie Hugel
anne-sophie.hugel@ville-selestat.fr
+ 33 (0) 3 88588516

Pressebüro mwk Hubert Matt-Willmatt
info@pressebuero-mwk.de
+ 49 (0) 761 6966417

Bilder sind ebenfalls zum Download eingestellt - im Anhang bebildertes pdf des Dossiers!

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Ansprechpartner

Pressebüro mwk - Hubert Matt-Willmatt, djv -- Beate Kierey, djv
Laßbergstr. 24
79117
Freiburg
tel: + 49 761 - 69 66 417 oder 0175 - 51 50 892
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