01.07.2003

Biographie des Abenteurers Ernst Friedrich Löhndorff (1899-1976)

"Nee keine Memoiren, ich will meine Ruh haben und außerdem prahle ich nicht gern.." wehrte der in Laufenburg/Baden ansässige Abenteurschriftsteller Ernst Friedrich Löhndorff das Ansinnen von Freunden ab, eine Autobiographie zu verfassen. Zu seinem bevorstehenden 100. Geburtstag im März 1999 erschien bereits rechtzeitig zur Frankfurter Buchmesse 1998 eine von Hubert Matt-Willmatt verfasste, reich bebilderte Biographie, in einem Band zusammen mit dem Roman
"Blumenhölle am Jacinto".

Die "Vereinigung der Kunstfreunde am Rhein", in deren Besitz sich der Nachlaß
Löhndorffs befindet, und deren damaliger Verwalter, Bildhauer Erwin Rehmann-Melzer beauftragten 1987 Hubert Matt-Willmatt mit der Sichtung und dem Ordnen des Nachlaßes und mit der Abfassung einer Biographie. Diese konnte nach erheblicher Recherchearbeit - Sekundärliteratur zu ihm existierte nur in geringem Umfange - fertiggestellt werden.

Löhndorff verfasste über sein abenteuerliches Leben ab 1927 bis 1966 mehr als 30 Romane mit Titeln wie "Bestie Ich in Mexiko", "Amineh", "Afrika weint" und "Tropensymphonie". Seine Bücher erschienen in einer Millionenauflage in über 200 verschiedenen Ausgaben. Er veröffentlichte unzählige Kurzgeschichten und Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften; seine Werke wurden in elf Sprachen übersetzt und in 13 Ländern mit 37 Titeln herausgebracht.

Die Biographie hält sich an den chronologischen Ablauf des Lebens von Löhndorff.
Geboren am 13.3.1899 in Frankfurt, verlebte er seine Jugendjahre in Wien und Karlsruhe (bis 1912) und fährt im Alter von 15 Jahren (!) zur See, gerät in die mexikanische Revolution (1914 bis 1918), wo er unter Pancho Villa zum Major der aufständischen Bürgerkriegstruppen avancierte.

Mexiko steht am Beginn einer Reihe von Ländern, die er bis 1927 bereiste, nicht
etwa als Reiseschriftsteller, vielmehr als Schnapsschmuggler, Eselstreiber im Sudan, als Fremdenlegionär in Nordafrika (1920 - 1921), als Goldsucher, als Pilger in Indien, als Orchideensammler in Südamerika, als Walfischfänger, ...

Ab 1927, als der erste Verleger zugreift, beginnt die Zeit, in der er als erfolgreicher Schriftsteller bezeichnet werden muß. Krankheitshalber kommt er an den Lago Maggiore, nach Ascona, wo er in der Casa Cobra wohnt. Er engagiert sich in der NSDAP der Schweiz, wo er in den frühen 30-er Jahren in Porto Ronco sogar Stützpunktleiter wird. Nach seiner "Wegweisung" aus der Schweiz zieht er zunächst an den Bodensee.
Überlingen und Konstanz sowie von 1936 bis 1939 Baden-Baden werden seine nächsten Wohnsitze. Er plant eine große Chinareise, die er 1938 auch
durchführte. Sie muß als Wendepunkt in seinem Leben bezeichnet werden, denn
aufgrund von Vorfällen während dieser Reise hat er keine andere Wahl als in
seine Zwangssterilisation einzuwilligen. Er wird deshalb aus der NSDAP ausgeschlossen, von deren Einfluß er sich bereits entfernt hatte, was ihm, im
Entnazifizierungsverfahren nach dem Kriege, helfen sollte.
Während des Zweiten Weltkrieges läßt er sich ab 1939 in Laufenburg / Baden,
zuerst im "Rebstock", dann im "Mariagrün" in der Bahnhofstraße nieder, um seiner "mütterlichen Freundin", Gräfin Montgelas-Lunge, die wegen ihrer jüdischen Abstammung in das benachbarte Laufenburg / Schweiz emigrieren mußte, nahe zu sein.
Ein weiterer Abschnitt in seinem Leben ist durch den Einmarsch der französischen Truppen in Laufenburg im April 1945 gekennzeichnet. Engagierte er sich als Kopf der antifaschistischen Bewegung und ging den Franzosen als Parlamentär entgegen, so zog er sich keineswegs nur Sympathien durch diese Tätigkeit zu.

Er wurde als Deserteur der Fremdenlegion denunziert, festgenommen und bis 1949 in Fischerbach im Kinzigtal zwangsweise festgehalten. In den 50er und 60er Jahren erlebten einige seiner Vorkriegsromane eine Neuauflage. Er schreibt noch zehn weitere Romane, doch die Auflagen werden geringer; er teilt das Los manch anderer Schriftsteller, deren Erfolg verblaßt.
Es folgt der Gang zum Sozialamt und der Antrag auf eine Rente nach dem
Wiedergutmachungsgesetz.
Besonders nach dem Tode der Gräfin Montgelas im Jahre 1965 widmet er sich
ausschließlich der Malerei und bringt in einer eigenartigen, farbenprächtigen Tupftechnik Bilder zu lokalen Ausstellungen. Er behauptete zu diesem Zeitpunkt, ein besserer Maler, denn
Schriftsteller zu sein.
Mehrere kleinere Schlaganfälle lähmen die Energie des groß gewachsenen,
kräftigen Mannes, er wird zum Eremit.
Ehedem bekannt als großzügiger Gastgeber und ideenreicher Unterhalter, der keinerlei Verhältnis zu Geld besaß und immense Trinkgelder austeilte, mied er nun jegliche Gesellschaft.
Im Jahre 1975 sollten seine Verdienste als Schriftsteller und Maler durch die
Verleihung des Bundesverdienstkreuzes gewürdigt werden, doch am Tag der
vorgesehenen Verleihung erlitt Löhndorff einen schweren Schlaganfall, der ihn
bis zu seinem Tode am 16.3.1976 im Matthias-Claudius-Heim in Waldshut
bettlägerig und pflegebedürftig machte. Aufgrund der durch den Heimaufenthalt
entstandenen erheblichen Schulden übergab die Stadt Laufenburg / Schweiz 1977 den Nachlass mit "allen Rechten und Pflichten" an die "Vereinigung der
Kunstfreunde am Rhein".
Wie Nachfragen bei der "Vereinigung" belegen, ist das Interesse an Werken
Löhndorffs in Sammlerkreisen nach wie vor sehr groß - in allen deutschsprachigen
Ländern werden die Bücher Löhndorffs antiquarisch zu sehr hohen Preis gehandelt.
Noch im Jahre 1995 erschien unter dem Titel "Chasseur d'orchidées" eine
französische Übersetzung von "Blumenhölle am Jacinto", während keines seiner Werke im deutschsprachigen Buchhandel mehr zu erhalten war.
Die von Hubert Matt-Willmatt verfasste und von der "Vereinigung der Kunstfreunde am Rhein" im Schillinger Verlag / Freiburg mit herausgegebene bebilderte Biographie mit einem umfangreichen Literaturteil, enthält deshalb zusätzlich Löhndorffs Roman "Blumenhölle am Jacinto".
Im Weltbild-Verlag erschien im April 1999 das Werk "Afrika weint", in dem
Löhndorff seine Erlebnisse in der französischen Fremdenlegion verarbeitete.

Die Biographie "Das Abenteuer im Leben und Werk von Ernst Friedrich Löhndorff"
umfasst 420 Seiten und ist zum Preis von 20.- € in allen Buchhandlungen zu
erwerben. (ISBN 3 -89155-217-3).

Ansprechpartner

Pressebüro GbR - Hubert Matt-Willmatt, djv -- Beate Kierey, djv
Lassbergstr. 24
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Freiburg
tel: + 49 761 - 69 66 417
fax: + 49 761 - 69 66 418
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