Achter Tag: Endingen, Burkheim, Breisach, Neuenburg, Waldkirch, St. Peter



Rudolf von Habsburg - Grabplatte - Foto im VÖ-Museum in Endingen Direkt vor der Freiburger Haustüre - im Nachklang zu unserer Reise

ENDINGEN

(Touristinfo – Kaiserstühler Verkehrsbüro, Adelshof 20, D 79346 Endingen, + 49 (0)7642 6899 90, touristinfo@endingen.de, www.endingen.de)

Die Touristinfo hat ihren Sitz an historischer Stätte des Üsenberger Hofs, der im Treppenhaus und im darüber liegenden Geschoss das Vorderösterreich Museum beherbergt. Von 1379 bis 1805 gehörte das Städtchen am Kaiserstuhl zu den österreichischen Vorlanden.
Ein Besuch dort lässt uns unsere gesamte Fahrt nochmals Revue passieren, denn im Treppenaufgang hängen Stiche der von uns besuchten Städte Laufenburg, Bad Säckingen, Ottmarsheim, Bregenez, Bludenz, Königsfelden… und, was auf der gesamten Reise einmalig ist: Eine Porträtgalerie aller Habsburger, die für Vorderösterreich von entscheidender Bedeutung waren, sowie Porträts von Maria Theresia und Josef II. Und im Erdgeschoss sind Großdias der Grabplatte König Rudolfs abgebildetund vier Königsfelder Stiftungsfenster.
Im Prinzip kann man eine Reise auf den Spuren der Habsburger im Endinger Vorderösterreich-Museum unternehmen - am besten zur Vorbereitung oder Nachbetrachtung einer Reise auf der VIA Habsburg.
Vom 28. April 1744 datiert eine ausgestellte Urkunde Maria Theresias, die der Stadt Endingen ihre Privilegien garantierte. In je einem eigenen Raum werden die Themen Verfassung/Verwaltung Vorderösterreichs, der Adel, die Städte, Prälaten und Klöster und das Bildungswesen behandelt - kurz, knapp und sehr informativ!!
In einem separaten Raum wurden die Umbau- udn Restaurierungsarbeiten dokumentiert, die nötig waren, um das Haus als Museum einrichten zu können.

Beim Gang zum Alten Rathaus sieht man die inzwischen verkehrsberuhigte Hauptstraße bis zum ‚Schaffhauser Tor‘ hinunter, in der zwei einander gegenüberliegende Bäckereien mit Cafés eine Entscheidung zur Einkehr schwer machen – Kompromiss: Man sollte in beide gehen!!
Im Alten Rathaus, in dem das Heimatmuseum untergebracht ist und in dessen großem Saal Sitzungen von Gemeindegremien stattfinden, aber auch Trauungen durchgeführt werden – fällt einem sofort die große Wappenscheibe an der Stirnseite ins Auge. In den Fenstern befinden sich ebenfalls Wappenscheiben aus dem 16. Jahrhundert. In regelmäßigen Abständen inszenieren Endinger Bürgerinnen und Bürger seit elf Jahren die eigene Stadtgeschichte an zehn ausgewählten Schauplätzen. Das Mittelalterspektakel findet dabei immer abends statt, mit einem zeitgemäßen Schmaus kann man sich vor der Aufführung stärken. (www.stadterlebnis-endingen.de).

Direkt neben dem Rathaus befindet sich die Metzgerei und Wursterei Peter Dirr, d e r Kaiserstühler Metzger – der mehr ist als ein Metzger. Seine Schinkenspezialitäten, seine Wurstwaren (empfehlenswert: Fenchelsalami) sind weithin bekannt. Er fertigt auch Tovarer Würste, sie erinnern an das ferne Venezuela, wohin viele Endinger auswanderten und dort ihre Traditionen, Rezepte und alemannische Sprache bewahrten.
Durch die Einrichtung der Hauptstraße als Fußgängerzone hat die Stadt an Attraktivität gewonnen – nur muss man beim stadtnahen Parken darauf achten, dass man immer schön seine Parkscheibe und Parkgebühren bezahlt, denn sonst kann es schnell mal 10 € kosten…
Mit den Weingütern Bastian, Schneider, Schätzle und Knab hat das Städtchen gleich vier renommierte Weinadressen.
Nach einem Brand des Weinguts Bastian stieß man 2011 beim Neubau hinter einem zugemauerten Treppenaufgang auf ein Versteck von Weinen, das beim Einmarsch der französischen Truppen 1945 angelegt… und vergessen worden war!
Nicht vergessen sollte man einen Besuch im Käsereimuseum (www.kaeserei-museum.de), einem Museum und einer Schaukäserei in den Räumen der ehemaligen Käserei Seraphin Risch und auch eine Fahrt mit dem Rebenbummler von Riegel nach Breisach und damit um einen großen Teil des Kaiserstuhls herum!

BURKHEIM

(Kaiserstühler Touristik Information , Bahnhofstr. 20, D – 79235 Vogtsburg, + 49 (0) 7662 94011), info@vogtsburg.de, www.vogtsburg.de)

Nicht weit von Endingen entfernt liegt das malerische Burkheim, dessen markante Silhouette mit der Burg man schon von weitem sieht! 1330 gelangte sie an die Habsburger und ist heute im Besitz der Familie Neymeyer vom Weingut Bastian in Endingen. Im Ort mit seinem einladenden Tor herrscht reges künstlerisches Treiben, dies vor allem beim jährlich stattfindenden Burkheimer Künstlermarkt.
Der berühmteste Pfandherr des Schlosses war ab 1560 sicherlich Lazarus von Schwendi. (Vgl. Ingrid Hepperle, Lazarus von Schwendi – Wie ein Schwabe am Oberrhein sein Glück machte, Ulm1997), dessen verwittertes Wappen am Eingang des Schlosses noch zu sehen ist.
Der unehelich geborene Schwendi wurde 1522 im vorderösterreichischen Mittelbiberach geboren. Als Kaiserlicher Feldhauptmann diente er den Habsburgern Kaiser Karl V., Maximilian II. und Ferdinand I.. Da er seine Truppen erfolgreich im Kampf gegen die osmanischen Heere führte, gelangte er bis in das Gebiet des heutigen Ungarn und Rumänien. Lange hielt sich deshalb die Legende, dass er es war, der die Reben des Tokajers ins Elsass und an den Kaiserstuhl gebracht hätte. Mit einem Büschel Rebsetzlingen und Trauben hat ihn auch 1898 Frédéric-August Bartholdi, der Künstler der Freiheitsstatue in New York, mit einem Brunnen in Colmar dargestellt. Der original Tokajer wird in Nord-Ungarn und der Süd-Slowakei angebaut und diese Anbaugebiete haben es auch erreicht, dass der Tokay d’Alsace im Elsass nicht mehr so benannt werden darf und nun als Pinot gris vermarktet werden muss – im Badischen kannte man den süßen Ausbau der Traube als Ruländer, trocken ausgebaut und in jungem Traubenstadium geerntet, eben als Grauburgunder. Er war und ist der Profilwein des Kaiserstuhls.

Zwischen 1552 und 1573 häufte Lazarus von Schwendi im heutigen Elsass und im Breisgau einen ansehnlichen Besitz an, der auch Liegenschaften in Freiburg und Straßburg sowie Ländereien in Österreich und Ungarn umfasste. 1538 stirbt er in Kirchhofen und wird auf eigenen Wunsch in Kientzheim beigesetzt, wo sein Grabmal noch erhalten ist.
1987 wurde im Ehrensaal des Rathauses von Kientzheim der Lazarus-von Schwendi-Städtebund zur Verbesserung der Beziehungen untereinander gegründet: Die Mitgliedsgemeinden sind:
in Deutschland bzw. Baden-Württemberg: Kirchhofen (Ehrenkirchen), Burkheim, Triberg, Mittelbiberach und Schwendi,
in Frankreich bzw. im Elsass: Kientzheim, Ingersheim, Logelheim, Sigolsheim, Wintzenheim, Turckheim, Munster, Ammerschwihr, Niedermorschwihr, Katzenthal, Kaysersberg,
in Belgien bzw. Wallonien: Philippeville.
Burkheim ist eine der bekannten Winzergemeinden am Kaiserstuhl, mit dem renommierten Privatweingut Bercher und dem Genossenschaftsbetrieb der Burkheimer Winzer. Ein kostenfreier Besuch im Korkenziehermuseum sollte nicht verpasst werden (www.korkenzieher.de) und neben Wein gibt es leckere Mitbringsel und Souvenirs im Kaiserlich-genießen –Shop im Hofladen Jäger (www.naturgarten-kaiserstuhl.de)

BREISACH

(Breisach Touristik, Marktplatz 16, D – 79206 Breisach, + 49 (0) 7667 94 0155, breisach-touristik@breisach.de, www.breisach.de)

Schon von Burkheim aus sieht man den Burgberg der Breisach. 1331 kam der Burgberg an die Habsburger und auch hier war Lazarus Burgvogt.

Das heutige Städtchen mit einer um das Münster angelegten Oberstadt und der Unterstadt lag ursprünglich als Insel im Rhein, dann in römischer Zeit auf der linken Rheinseite und im Mittelalter auf der rechten Rheinseite. Als befestigter Brückenkopf profitierte man vom Handel, der mit dem Beginn des regelmäßigen Schiffsverkehrs zwischen Basel und Straßburg 1838 in Gang kam. Bis zur Rheinregulierung durch Tulla, war die Schifffahrt aber nicht gesichert. Mit dem Versailler Vertrag von 1919 sicherten sich die Franzosen zudem die Nutzung der Wasserkraft des Rheins zur Stromgewinnung, was sich im Bau des Rheinseitenkanals und der Staustufe Vogelgrün sichtbar ausdrückte. Durch die sog. Schlingenlösung, in der das Rheinwasser aus dem Kanal wieder in den Rheinstrom geleitet wird, konnte Breisach mit seinem Hafen weiterhin mit Recht behaupten, ‚am Rhein‘ zu liegen. Durch das Integrierte Rheinprogramm werden bei Hochwassern Rückhalteräume geschaffen - die verträgliche Retention zum Hochwasserschutz bot allerdings Anlass zu mancher Diskussion.

Breisach war wegen seiner Lage und wegen des Rheinübergangs d e r Zankapfel zwischen den Habsburgern und den Franzosen, der sich in zahlreichen Kriegen und Auseinandersetzungen bis hin zum Zweiten Weltkrieg zog.
1697 fiel das gesamte Elsass im Vertrag von Ryswick an Ludwig XIV – damit war der Rhein zum ersten Mal in dieser Region eine staatliche und damit im weiteren Verlauf der Geschichte zu einer unheilvolle Grenze geworden!

So ist es nicht verwunderlich, dass der berühmte Festungsbaumeister Vauban (Museum in der ‚Porte de Belfort‘) im Auftrag des französischen Königs gegenüber dem feindliche gewordenen Alt-Breisach sein ‚Neuf-Brisach‘ als Festung ungeheuren Ausmaßes erdachte und durch den Baumeister Jean-Baptiste de Regemorte zwischen 1699 – 1705 realisieren ließ. Die Festung konnte nie eingenommen werden und blieb um den großen Exerzierplatz herum schachbrettartig angelegt, völlig erhalten. Seit 2008 gehört die Festung zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Im Februar 1945 wurde die Stadt bombardiert – ebenso wie das deutsche Pendant, die eine Zerstörung von 80% mit sich brachte.
Breisachs Nachkriegs-Bürgermeister Josef Bueb wollte in seiner vom Krieg gezeichneten Stadt ein Zeichen setzen und so wurde 1950 eine Beteiligung an einer Abstimmung beschlossen, die herausfinden wollte, ob die Bevölkerung bereit war für die ‚Abschaffung der politischen und ökonomischen Grenzen in Europa und für die Union aller europäischen Völker“. In Breisach sprachen sich 96 % der Wähler für diese Forderung aus, was der Stadt seitdem den Ehrentitel ‚Europastadt‘ und dem Bürgermeister den Spitznamen ‚Europa-Sepp‘ einbrachte. Zusammen mit Jean Rey, dem langjährigen Bürgermeister Colmars, ohne den die zauberhafte Colmarer Altstadt sicher in den bauwütigen 1960er Jahren dem Verkehr geopfert und umfassend ‚modernisiert‘ worden wäre, legte Bueb auch den Grundstein zur ersten deutsch-französischen touristischen Straße nach dem Krieg, der Grünen Straße, der Route verte. Ihr gehören insgesamt 17 Orte und Städte von Contrexeville bis nach Donaueschingen an.
(www.gruene-strasse.de). Seit genau 60 Jahren treffen sich seit 1956 auch die Bürgermeister von beiden Seiten des Rheins - heute immer gut von 100 Gemeindevertretern besucht, die es sich nach einem interessanten und rheinüberschreitenden Vortrag immer auf dem Breisacher Weinfest gut gehen lassen.
Das Breisacher Bezirksweinfest gehört zu den bekannten und überaus gut besuchten Veranstaltungen der Stadt, bekannt ebenfalls das Gauklertreffen zur ‚Fasentzeit‘.
Über der Stadt thront auf dem Münsterberg, auf dem im 3. Jahrhundert ein römisches Kastell nachgewiesen ist, das Stephansmünster mit seinen beiden unterschiedlich gestalteten Türmen.

Im Innern verbergen sich gleich mehrere bedeutende Sehenswürdigkeiten. Dreigeteilt ist das 100 Quadratmeter große Wandbild ‚Das Jüngste Gericht‘, das Martin Schongauer ab 1489 anfertigte und das in der Folgezeit übermalt wurde. Erst bei Restaurierungsarbeiten 1885 kam es wieder zum Vorschein – doch es sollten nochmals 100 Jahre vergehen, bis es nun wieder zum Großteil sichtbar ist.
Ein weiteres Kleinod ist der Lettner (1496 entstanden) und zusammen mit dem Hochaltar (1523 - 1526) aus der Werkstatt des Meisters H. L. als Höhepunkte der Spätgotik am Oberrhein gelten. Aus Lindenholz unglaublich kunstfertig und filigran geschnitzt ist er mit seiner Innenwölbung höher als der Kirchenraum… In einem Silberschrein wurden 1498 die Reliquien der beiden Stadtheiligen Gervasius und Protasius aufbewahrt.
Die Krypta wurde 1978 in Erinnerung an die Zerstörung der Stadt zu einer Gedenkstätte umgewandelt, in der der Breisacher Bildhauer Helmut Lutz einen Dornenkranz mit sieben Blütenkelchen gestaltete. Zur Erinnerung an die Europa-Abstimmung schuf er die Skulptur ‚Europa greift nach den Sternen‘ und richtete den Radbrunnen ein. Zu zehn Kunstwerken des Bildhauers Karl Heinz Engelin (1924 – 1986) führt ein Rundweg. Wer Breisach geführt erkunden möchte, folgt einer ‚Stadtführung mit Genuss‘, zudem liegen in der Breisach-Touristik ausgearbeitete Vorschläge für einen Aufenthalt von sechs bis 48 Stunden vor, bei denen das ehemalige Jüdische Gemeindehaus und das Museum für Stadtgeschichte mit Sonderausstellungen nicht fehlen dürfen.
Das Museum im Breisacher Rheintor besteht nun 25 Jahre. In dem historischen Gebäude, einem der schönsten noch erhaltenen barocken Festungstore Europas, das nach Vorgaben von Vauban 1678 errichtet wurde, wird seither die wechselvolle Geschichte der heutigen Europastadt dargestellt. Archäologische Funde von der Bronzezeit bis in das 18.Jahrhundert zeugen von der kontinuierlichen Besiedlung des markanten Münsterberges seit rund 4.000 Jahren. Die nachfolgenden Jahrhunderte der Breisacher Stadtgeschichte bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit Fotos vom zerstörten Breisach 1945 und vom Wiederaufbau der Stadt, sind mit zahlreichen Exponaten und Dokumenten anschaulich dargestellt. Dass Breisach im 17. und 18. Jahrhundert eine der wichtigsten und größten Festungsstädte Europas war, abwechselnd zu Habsburg-Österreich und Frankreich gehörte, machen Pläne und vor allem auch eindrückliche Modelle vom Festungsbau und von der gesamten Stadt und Festung deutlich. Im „Museums-Stüble“ kann man den Besuch auf der Terrasse am romantischen Schwanenweiher mit badischen Spezialitäten und einem Kaiserstühler Viertele ausklingen lassen.

Im Badischen Winzerkeller werden 560 Weine aus neun badischen Anbaugebieten gekeltert, zum Unternehmen gehört auch die Gräflich von Kageneck’sche Wein- und Sektkellerei.
Mit der 1838 in der Champagne gegründeten Geldermann Privatsektkellerei, die sich 1924 in Breisach niederließ, besteht ein weiterer großer Produzent an perlendem Vergnügen.

Breisach und Neuf-Brisach arbeiten touristisch eng miteinander zusammen, was sich in einer Palette an gemeinsamen Prospekten zum Radfahren und Wandern ausdrückt. Zwischen beiden Städten und unterhalb der Europa-Brücke machen an dem Schiffsanleger kleinere und größere Flusskreuzfahrtsschiffe fest, die den Rhein von oder nach Basel befahren.

NEUENBURG

(TI, Rathausplatz 5, D – 79395 Neuenburg, + 49 (0) 7631-791-111, touristik@neuenburg.de, www.neuenburg.de)

Um 1175 erfolgte die Gründung des Ortes als Zähringergründung durch Berthold IV, worauf man auch heute noch in Neuenburg sehr stolz ist und diesen Abschnitt der Geschichte gerne in den Vordergrund stellt, zumal sie der Stauferkaiser Friedrich II. zur ‚Freien Reichsstadt‘ erhoben hatte.
Aber schon 1331 wurde die Stadt an die Habsburger verpfändet und blieb es bis zur Gründung des badischen Großherzogtums 1806. Interessante Einblicke zur Stadtgeschichte erhält man im Museum am Franziskanerplatz. (Vgl. Winfried Studer, Streifzug durch die wechselvolle Geschichte der Stadt Neuenburg am Rhein, Das Markgräflerland, 1/1990)

Wegen des Rheinübergangs und der dadurch strategisch begünstigten Lage an der Schwanzfeder des Kaiseradlers und in direkter Konfrontation mit Frankreich wurde die Stadt im Holländischen (1675) wie im Spanischen Erbfolgekrieg zerstört. Auch im Zweiten Weltkrieg erlitt sie erhebliche Kriegseinwirkungen und Zerstörungen. 1939 wurde sie als erste deutsche Stadt bombardiert, ebenso 1944/45.
Durch die Zerstörungen hat Neuenburg kein ‚historisches‘ Gesicht – umso freundlicher werden die zahlreichen französischen Besucher heute empfangen, die einen Teil ihrer Einkäufe gerne in Neuenburg erledigen.
Der rührige und langjährige Bürgermeister Schuster hat sich und der Stadt einen großen Wunsch erfüllt, indem 2022 die Landesgartenschau nach Neuenburg kommt. Unter dem Motto ‚Eine Stadt geht zum Rhein‘ wird versucht, das Rheinufer näher mit der Stadt zu verbinden, denn als trennendes Element erweist sich die Autobahn. Auch möchte man symbolisch näher an den Nachbarn auf der anderen Rheinseite herankommen – gerade mit Ottmarsheim pflegt man einen regen Austausch in allen Belangen. Mit dem Rad kann man unter dem Leitmotiv ‘2 Ufer, 3 Brücken, 1000 Dinge zu entdecken‘ die rheinüberschreitenden Radwege und ihre Sehenswürdigkeiten entdecken – auf dem Rhein dem Kanufahren frönen und im Rhein bei einem ausgefallenen Angebot sich als Goldwäscher betätigen.

WALDKIRCH

(Tourist-Info Waldkirch, Kirchplatz 2, D – 79183 Waldkirch, + 49 (0) 7681 19433, waldkirch@zweitaelerland.de, www.zweitaelerland.de)

Ganz langsam geht es in Waldkirch zu, denn die Stadt ist Mitglied in der internationalen Vereinigung der ‚cittàslow‘. Entschleunigung bei gleichzeitiger Erhöhung der Lebensqualität hat man sich auf die Fahnen geschrieben.
Das Frauenkloster St. Margarethen, eine Gründung des aus Schwaben stammenden Herzogs Burchard II. steht an ihrem Beginn, das Geschlecht der Schwarzenberger erbaute die weithin sichtbare Kastelburg, wohl auf dem Grundriss eines römischen Kastells und verliehen dem Ort 1300 das Stadtrecht.
Zur Kastelburg hinauf kann man bei einer Führung mit des Torwächters Weib oder dem Türmer hinaufgehen.

Silberbergbau im nahen Suggental brachte Geld in den Ort. 1577 wurde es an den Habsburger Erzherzog Ferdinand verkauft und blieb bis 1805 vorderösterreichisch. Waldkirch fungierte ebenfalls als Amtsstadt, was man vor allem dem Marktplatz mit dem imposanten Rathaus noch ansehen kann.
Die Geschichte der Stadt ist im Elztalmuseum dokumentiert, das nicht weit von der Barockkirche St. Margarethen, die Peter Thumb gestaltete, zu finden ist. Ein großer Bestandteil des Museums ist aber einem wichtigen Industriezweig gewidmet, dem Orgelbau. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts
entwickelte sich die Stadt ab 1799 mit dem Kirchenorgelbauer Mathias Martin zuerst zu einem Zentrum des Kirchenorgelbaus. Doch der Aufschwung kam in einer anderen musikalischen Richtung. Ignaz Blasius Bruder, von Beruf Maurergeselle, erlernte wohl bei Martin die handwerklichen Fertigkeiten des Orgelbaus und ließ sich 1804 zuerst in Simonswald als Spieluhrenmacher nieder. Zusammen mit seinen fünf Söhnen begründete er dann in Waldkirch den Drehorgelbau, der mit seinen Musikautomaten bis in die 1940er Jahre reicht und dessen Entwicklung lückenlos im Elztalmuseum dokumentiert ist. Klangvolle Meisterwerke der Firmen A. Ruth & Sohn, A. Kiene, A. Gavioli, Limonaire Frères, C. Frei oder der Gebrüder Weber erklingen alle drei Jahre beim Internationalen Orgelfest in Waldkirch! Die Tradition des Orgelbaus wird in Waldkirch immer noch von verschiedenen Orgelbauern ausgeübt. Paul Fleck Söhne, Achim Schneider, Wolfram Stützle und Reiner Pitt gehören dazu, wie auch die Firma Waldkircher Orgelbau Jäger & Brommer, die 2018 ihr 30jähriges Betriebsjubiläum feiert und weltweit tätig ist. Bis nach China und Korea werden Orgeln exportiert und alle drei Jahre trifft man sich in der Stadt zum Internationalen Orgelfest! Seit Neuestem bereichert die Pop-Orgel 'Klamauk' das Elztalmuseum.

Ein weiterer Erwerbszweig entstand mit der Edelsteinschleiferei, deren Tradition die Firma Wintermantel immer noch betreibt. In den ehemaligen Räumen der Edelsteinschleiferei kann man bei Besichtigungen die harte Arbeit der Schleifer, die halb liegend ausgeübt wurde, nachvollziehen.

In der Stadt unterhalb des sagenumwobenen Kandels, des Hexentreffpunkts in der Walpurgisnacht, toben zur Fastnacht neben anderen Fasnetgestalten auch die Hexen durch die Gassen.

Waldkirch ist auch Industriestandort, neben dem global Player, dem Sensorhersteller Sick, ist auch seit 1780 die Firma Mack Rides ansässig, die Fahrgeschäfte für die ganze Welt herstellt und mit dem Europa-Park in Rust selbst einen höchst erfolgreichen und den weltweit besten Familienfreizeitpark betreibt.

Mit dem Schwarzwaldzoo und dem Baumkronenweg bietet die Stadt nicht nur kleinen Besuchern attrektive Freizeitmöglichkeiten.


ST.PETER

(Tourist-Info, Klosterhof 11, D 79271 St. Peter, + 49 (0) 7652 – 1206 8370, st.peter@hochschwarzwald.de, www.st-peter-schwarzwald.de)

Das idyllisch gelegene St. Peter wurde 1093 von den Zähringern als Kloster gegründet. Herzog Berthold II, wollte sich und seinen Nachkommen auf den Höhen des Schwarzwaldes, die letzte Ruhestätte als Grablege sichern.
Auf das Herrschergeschlecht gehen zahlreiche Städtegründungen zurück, so Freiburg, Fribourg und Villingen, die alle das charakteristische Zähringerkreuz im Stadtgrundriss haben – erstaunlich, dass man sich den auf 700 Meter Höhe, den im Vergleich zu den Städten doch recht abgelegenen Ort ausgesucht hatte. (Vgl. Hrsg., Hans-Otto Mühleisen, St. Peter im Schwarzwald, München und Zürich, 1977)

1526 erfolgte die habsburgische Inbesitznahme.
Die Benediktinerabtei St.Peter, die von Berthold I. in Weilheim an der Teck gegründet und Hirsau unterstellt war, hatte nach ihrer Verlegung nach St. Peter eine wechselvolle Geschichte. Alleine vier Kirchenbauten mussten errichtet werden. Die heutige barock ausgeschmückte Kirche ist ein Werk des Vorarlberger Baumeisters Peter Thumb (1681 – 1766), das er zwischen 1724 bis 1727 fertigstellen konnte.
Im Herbst 1727 wurde in einem achttägigen Fest die neu erbaute Kirche eingeweiht. Über 40 Jahre lang wurde danach weiter gebaut, so auch im Bibliothekssaal, der 1751 ausgemalt wurde.
Die Klosterbibliothek soll noch nach Plänen des Freiburger Bauherrn Christian Wentzinger (1710 – 1797) entstanden sein, der schon 1733 den Taufstein in der Kirche angefertigt hatte. Die Figuren sind allegorische Darstellungen der Künste und Wissenschaften, das perspektivische Deckenbild stammt von Benedikt Gambs, die Stuckarbeiten von Hans Georg Gigl, der auch in St. Blasien und Riegel tätig war. Die geschwungene Brüstung der Galerie bietet der rechtwinkligen Anordnung der Bücherregale genügend Platz. Zahllose Generationen von Benediktinern konnten sich hier dem Studium hingeben
Das mit den aufklärerischen Gedanken um seine Bedeutung ringende Kloster versuchte mit der Hinwendung zur Wissenschaft seine bisherige unangefochtene Stellung zu behalten.
Das Deckenfresko in der Bibliothek erfuhr durch Hans-Otto Mühleisen eine dahingehende schlüssige Interpretation. (Vgl. Hans-Otto Mühleisen, Das Kloster St. Peter und Schloss Ebnet, Lindenberg i. Allgäu, 2016),

Bis 1772 wurde ein Klostergebäude nach dem anderen dazu gefügt. So ergibt sich heute der Eindruck eines großen umbauten Rechtecks, das durch einen querverlaufenden mittleren Trakts, in dem die Bibliothek und die Sakristei untergebracht sind, unterteilt wird.
Doch alle Bemühungen halfen nichts, das Kloster wurde im Rahmen der Säkularisierung 1806 aufgelöst. Von 1842 bis 2006 beherbergte das Gebäude das Priesterseminar des damals in Ablösung von Konstanz neu geschaffenen Erzbistums Freiburg.

St. Peter ist aber seit 1950 auch als Filmdrehort mit Schwarzwald-Kulisse berühmt geworden – der Film ‚Das Schwarzwaldmädel‘ von 1950 brachte in die Kinosäle der zerbombten Städte eine heile Welt.
Als ‚Bollywood‘ wurde der Schwarzwald spätestens seit der Ausstrahlung der Fernsehserie ‚Schwarzwaldklinik‘ bezeichnet, die in den 1970er Jahren vor allem im Glottertal und im Heimatmuseum Hüsli / Grafenhausen-Rothaus, aber auch auf der Schwarzwald Panoramastraße bei St. Peter gedreht und in über 70 Folgen in über 40 Ländern ausgestrahlt wurde.
Wer in St. Peter eine sehr gute Einkehrmöglichkeit sucht, wird in der Nostalgie-Gastronomie 'Zum Kreuz' der Familie Rombach-Hägele fündig - hier behalten und entwickeln die einzelnen Zutaten der Gerichte ihren authentischen Geschmack in einem entsprechenden Ambiente... (www.rombach-st-peter.de)

Mit der Verfilmung von Rolf Hochhuts Roman ‚Eine Liebe in Brombach‘ (mit Hana Schygulla und Armin Mueller-Stahl) 1983 und mit ‚Viehjud Levi‘ 1999 von Thomas Strittmatter bekam der Film im Schwarzwald eine inhaltlich andere und kritischere Ausrichtung.
Die Fernsehvorabendserie im Südwestfernsehen ‚Die Fallers‘ spiegelt seit Jahren das aktuelle Leben einer schwarzwälder Bauernfamilie wider und hat ihren Darstellerinnen und Darstellern zu einer großen Bekanntheit verholfen.



VÖ -Museum EndingenEndingen - Der Ü*senberger Hof vor der Renovierung (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen - Die vorderösterreichischen Landstände (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen - Freigelegte Wandmalereien (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen Urkunde von Maria Theresia (Hubert Matt-Willmatt)VÖ-Museum Endingen (Hubert Matt-Willmatt) VÖ-Museum Endingen Foto der Grabplatte Rudolfs I. von Habsburg (Hubert Matt-Willmatt)Endingen - Rathausportal (Hubert Matt-Willmatt)Endingen Altes Rathaus - Wappenscheibe (Hubert Matt-Willmatt)Endingen Altes Rathaus - Wappenscheibe (Hubert Matt-Willmatt)Endingen Altes Rathaus - Wappenscheiben (Hubert Matt-Willmatt)Endingen Altes Rathaus - Maria Theresia, Franz II. (Hubert Matt-Willmatt)Weingut Bastian - Neymeyer in EndingenMetzgerei Dirr in EndingenKönigsschaffhausertor in EndingenBurkheim am Kaiserstuhl mit Lazarus-Schloss (li)Burkheim - Eingangstüre am Rathaus (Hubert Matt-Willmatt)Burgberg in BreisachDer Kaiserstuhl-Express, der von Vogtsburg-Oberrotweil aus seine Runde dreht (Hubert Matt-Willmatt)Rheinbrücke in BreisachBreisach mit SchiffsanlegestelleNeuenburg mIt Hinweis auf die LGS 2022 Blick von der Rheinbrücke in Neuenburg nach SüdenWaldkirchElztalmuseum mit seiner Orgelsammlung in WaldkirchOrgelbau Jäger und Brommer in WaldkirchEdelsteinschleiferei Wintermantel in WaldkirchSt.Peter war mehrfach Filmdrehort - Vom Schwarzwaldmädel (1950) bis zur Schwarzwaldklinik...Klosterkirche Sankt PeterSankt Peter, barocke InnenansichtSankt Peter Klosterhof


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