Fünfter Tag: Bregenz, Hohenems, Feldkirch



Feldkirch von der Schattenburg herab Vorarlberg - die Habsburger breiten sich in Österreich aus

BREGENZ
(Bregenz Tourismus & Stadtmarketing, Rathausstr. 35a, A – 6900 Bregenz, + 43 (0)557449590, tourismus@bregenz.at, www.bregenz.travel.at)

Es kommt einem wie die Vertreibung aus dem Paradies vor, als wir den herrlichen Garten des familiär geführten Landhauses Ödenstein nach einem opulenten Frühstück und bei herrlichem Sonnenschein verlassen müssen – doch heute gehts nach Österreich! Am See entlang hangeln wir uns von einem Berufsverkehrsstau zum nächsten, doch nach Passieren des verlassenen Grenzübergangs fahren wir in Bregenz mit seinem Hausberg, dem Pfänder ein.

Das zentrumsnah gelegene Parkhaus winkt mit erschwinglichen Parkgebühren, die sogar erstattet werden, wenn man einen Einkauf tätigt. Im Tourismusbüro zücken freundliche Mitarbeiterinnen hilfreiches Kartenmaterial – und schon steht man vor dem Rathaus, das 1680 als Kaufhaus erbaut worden ist. Ab 1720 diente es bis 1896 als Stadtkanzlei und Sitz des Landtags. Mit Mosaiken sind Sigismund von Tirol und Maria Theresia abgebildet. Der Habsburger Herzog Sigismund kaufte 1451 einen Teil der Stadt, der spätere Kaiser Ferdinand I den Rest. Er verlieh der Stadt das Wappen, das heute noch gilt. 1750 wird Bregenz gar Hauptstadt des Lands 'vor dem Arlberg'. Leicht steigt der Weg zur Oberstadt an, die von der barocken Stadtpfarrkirche St. Gallus bestimmt wird, Sie soll Ende des 17. Jahrhunderts auf einem vorchristlichen Kultplatz errichtet worden sein und im Innern ein Bildnis haben, das Maria Theresia als Hirtenmädchen zeigt. Trotz intensivem Suchen, haben wir das Bild nicht gefunden – ins Auge fällt aber der wertvolle Silberaltar, der aus 40 Einzelteilen besteht. Sie sind in unterschiedlichen Zeiträumen entstanden und zeigen ein Schiff, das im Bodensee in einen Sturm geraten ist und das Deuringschlössle. Es wurde von zahlreichen Malern als ein bevorzugtes Objekt der Stadt Bregenz verewigt, so auch 1912 von Egon Schiele.

Steil gehts von der Galluskirche hinunter und steil den Weg zum Schlössle hinauf – in der Oberstadt steht in einem lauschigen Winkel auf dem Georgenschildplatz ein Brunnen, der an den Minnesänger Graf Hugo von Montfort (1357 – 1423) erinnert
Der massige Martinsturm, indem ein Wächter bei ausgebrochenem Feuer die Bewohner warnen konnte, ist mit seiner Zwiebelkuppel das Bregenzer Wahrzeichen. Gerade findet in ihm (bis 31. Oktober) eine Ausstellung zur Entwicklung der Stadt statt. Die Bedeutung, die sie in der römische Zeit besaß, kommt auch darin zum Ausdruck, dass der Bodensee damals den Namen ‚lacus brigantinus’ trug.

Kurz vor dem Marktplatz auf dem geschäftiges Treiben mit Vorarlberger Speck- und Wurstspezialitäten, Parmaschinken, mit Pasta und Nudeln herrscht, kommt man in der Kirchstraße am schmalsten Haus Europas vorbei, das nur 57 cm breit ist. Welch ein Kontrast zum Postamt, einem klassischen Bau der k.und k. – Zeit, der als eines der seltenen Beispiele für die Ringstraßenarchitektur außerhalb Wiens gilt. Sein Zwillingsbruder steht in Bad Ischl…
Die Landeshauptstadt Vorarlbergs seit 1750 hat mit den Bregenzer Festspielen eine besondere Attraktion am Wasser vorzuweisen und mit dem Pfänder einen stadtnahen Berg mit einer phantastischen Rundumsicht, der in sechs Minuten mit einer Schwebebahn zu erklimmen ist! Das Kunsthaus Bregenzer Kub und das Vorarlberg Museen prägen mit ihrem zeitgenössischen Äußeren und ihren Angeboten das aktuelle kulturelle Leben der Stadt.

HOHENEMS
(Tourismus- und Stadtmarketing Hohenems GmbH, Marktstr. 2, A – 6845 Hohenems, +43 (0)5576 427 80, tourismus@hohenems, www.hohenems.at, www.palast-hohenems.at)

Auf der Autobahn brausen wir mit unserem 10-Tage Pickerl, (darunter machen es die Österreicher nicht), nach Hohenems – auf der Autobahn gibt es eine gleichnamige Raststätte, die uns aber weniger interessiert als das kleine Städtchen, das auf den ersten Blick recht unscheinbar daherkommt. Doch Achtung! Hier haben sich die Herren von Ems auf ihrer Burg Alta-Ems (Hohen Ems) eine Sonderstellung geschaffen. Auf ihr wurde Rudolf von Ems geboren, der eine mittelalterliche Weltchronik schrieb – in seiner Bibliothek wurde die Handschriften A und C des Nibelungenliedes gefunden. In einem kleinen Museum wird an dieses Ereignis erinnert – gegenüber im Schubert-Museum an den Komponisten, der mit dem jüdischen Bürger der Stadt, dem einflussreichen Kantor Salomon Sulzer befreundet war. Alljährlich wir hier und in Schwarzenberg die international bekannte Schubertiade veranstaltet.

Da die Emser 1617 einen Freibrief ausstellten, wurde Hohenems zu einem bedeutenden jüdischen Zentrum, das in einem besuchenswerten Jüdischen Viertel, im Jüdischen Museum und auf dem Jüdischen Friedhof seinen Niederschlag gefunden hat.
Doch unübersehbar ist der Renaissancepalast, der schönste italienische Palast nördlich der Alpen, der bis zum Kauf durch Maria Theresia (1759), die dadurch Reichsgräfin von Hohenems wurde, im Besitz der Grafen von Hohenems war. Der Palast befindet sich seit 1813 und damit seit mehr als 200 Jahren im Privatbesitz der Familie Waldburg-Zeil. 1882 wurde der Palast von Clemens Graf Waldburg-Zeil für die Familie renoviert, indem zwei Söhne Maximilian und Georg und drei Töchter aufwuchsen. Der k.u.k. Major Georg heiratete 1912 Elisabeth Erzherzogin von Österreich und Enkelin von Kaiser Franz-Josef, sodass man bei Führungen, u.a. ihre Handschuhe bewundern kann…
1954 zog ihr Sohn Franz-Josef Graf Waldburg-Zeil, der nächstes Jahr seinen 90. Geburtstag begehen kann, mit seiner Frau Priscilla, geb. Gräfin von Schönborn-Wiesentheid in den Palast ein.
Ihr Sohn Franz-Clemens Graf Waldburg-Zeil, der als Restaurator und im Kunstbau tätig ist und seine Frau Stephanie geb. Gräfin Blackenstein leben mit vier Töchtern im Palast, in dem seit Neuestem Trauungen im Roten und Blauen Salon sowie im Turmzimmer möglich sind. Das kulinarische Angebot bestreitet das Restaurant ‚im Schloss’.
Einen besonderen Leckerbissen bietet die nahe Schokoladenmanufaktur (www.schokoladengenuss.at) der Familie Fernkat mit Café und überdachter Außenterrasse, denn wie heisst es in ihrem Prospekt: „Neun von zehn Menschen lieben Schokolade – der zehnte lügt“.

FELDKIRCH
(Stadtmarketing und Tourismus Feldkirch GmbH, Montforthaus Feldkirch, Montfortpl. 1, A – 6800 Feldkirch, + 43 (0)5522 734 67, stadtmarketing@feldkirch.at, tourismus@fedlkirch.at, www.feldkirch.travel)

Rainers Geburtstag in der ‚Alpenrose’ ist unvergessen, wie er auch….

Etwas vergessen hat man in Feldkirch aber den Bezug zu den Habsburgern bzw. setzt man vom Stadtmarketing her ganz andere Akzente, eher Montfort- Akzente….

Die Stadt, eine Gründung durch Hugo von Montfort um 1190, kam durch Verkauf der Montforter 1375 an den Habsburger Leopold III. Diese haben sich jedoch nie in ‚Veldkirch’ niedergelassen, sondern überließen die Amtsgeschäfte eingesetzten Vögten. Mit der Schattenburg stand ihnen eine angemessene Unterkunft zur Verfügung.
Georg Fink, sach- und fachkundiger Stadtführer, der auch als Hugo von Montfort bei kostümierten Stadtführungen in Erscheinung tritt, meint, dass der Bau der Burg auf das Jahr 1260 – 1270 zu datieren sei. Ihr Name rühre nicht vom eventuellen Schatten her, in dem sie stehen würde, im Gegenteil, sie dominiert fast den ganzen Tag über sonnenbeschienen das Städtchen, sondern vom Wortstamm ‚Schutz’.

2018 möchte man in Feldkicrh aber gerne eine 800-Jahrfeier begehen, die sich auf erste urkundliche Erwähnung stützt, hier meldet Georg Fink ironisch, doch begründet, seine Zweifel an.
1406 wird die Burg von den Toggenburgern belagert und sturmreif geschossen, da die Appenzeller im Jahr zuvor schon einmal die habsburgischen Truppen schlagen und vertreiben konnten. Während des Konstanzer Konzils verfällt Friedrich 1415 zudem der Reichsacht, da er einem der drei Päpste zur Flucht verhilft und dadurch alle Besitzungen verliert.
Kaiser Sigismund, der auch das Grundstück des Hotels Post für 30 Gulden erwirbt, übergibt die Stadt den Toggenburgern, die zu ihren Füßen glanzvolle Turniere veranstalten – das Schloss wird nach Auszug des Vogteiamtes, abwechselnd Gefängnis, Armenhaus, Kaserne. 1840 beschließt die Stadt nach einem erfolglosen Versteigerungstermin, die Burg zum Abriss frei zugeben. Das Vorhaben wird jedoch nicht umgesetzt!
Wechselvolle Jahre folgen, bis sich 1911 ein Museumsverein gründet und ab 1917 dort in heute 19 Räumen ein Museum einrichtet. Ein wichtiger Förderer wird der volksnahe Pfarre Gunz, der den nahen Zimberberg an die 300 Mal bestiegen haben soll und insgesamt 6000 Exponate für (s)ein Museum angesammelt hatte.

Bei der Einlösung von Spielschulden hatten seine trinkfesten Mitspieler einmal von ihm gefordert, in seiner nächsten sonntäglichen Predigt den Kosenamen der Kellnerin ‚Bautzi’ dreimal einzuflechten. Gelinge ihm dies, wäre er alle Schulden los…Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt, weil sich die seltsame Wette herumgesprochen hatte. Pfarrer Gunz schaffte es sogar in einem Satz, seine Schulden zu tilgen, indem er zum geplanten Bau einer Kapelle ausführte: „Der Bau der Kapelle ist beschlossen, nur nicht die Frage des Bauherrn, baut sie die Kirche, baut sie die Gemeinde oder baut sie die Diözese…“
Alles, so wie seine umfangreiche Waffensammlung, kann nicht gezeigt werden, doch versucht man das Leben auf einer Burg, so wie einen Querschnitt durch das Leben der Bevölkerung anschaulich zu machen, unter anderem die heimische Tracht. Maria Theresia forcierte u.a. die Textilindustrie – die Berufswahl war in Vorarlberg lange Jahre vorgegeben: Dein Ziel: Textil!

Im modernen, zentral gelegenen Montforthaus, das 2015 eröffnet wurde und unter sich ein ebenso modernes Parkhaus verbirgt, finden Kongresse und Veranstaltungen aller Art statt. Insgesamt möchte man moderne Ansätze in den Tagungsbereich und auch in den Konzertbereich hineinbringen, so besonders bei den ‚Montforter Zwischentönen’, die dreimal jährlich einen thematisch umgrenzten Themenbereich zu Gehör bringen. Bei der ‚Hausmusik’ konzertiert in jedem, Raum des Montforthauses eine andere Musikgruppe.
Stadtführungen der besonderen Art, joggend oder zusammen mit Kindern, lassen Feldkirch entdecken. Mit der Broschüre ‚Geschichtenträchtig – In 22 Sagen um die Stadt’ oder mit dem kleinen Führer ‚Heinrich ein Guide durch Feldkirch’, lässt es sich gut und gerne auch auf eigene Faust auf Entdeckung gehen.

Eine Einkehr lohnt im Marktviertel - unter den Arkaden sitzt man besonders gemütlich. Besuchenswert ist die Kirche, aber sagen Sie ja nicht ‚Kirche’, denn es handelt sich um den 'Dom' St. Nikolaus, wie die für die Werbung zuständige Corina Dreher mit einem heftigen Schütteln ihrer blonden Locken unterstreicht

Gut 50% der Übernachtungsgäste sind wohl Geschäftsreisende, die die Annehmlichkeiten der heimischen, und im Vergleich zu Liechtenstein oder der Schweiz, günstigeren Hotellerie gerne in Anspruch nehmen. Feldkirch ist für Wintersportler ein idealer Standort, da von dort aus mehrere unterschiedliche Skigebiet angefahren werden können (Arlberg, Montafon…) – München ist in zwei Stunden, Mailand in 2 ½ zu erreichen!

Wir sind im Hotel Gutwinski (www.gutwinski.at) untergekommen – die ehemalige ‚Alpenrose’ der legendären Wirtin ‚Rosi’ war vom Interieur und der Zielgruppenansprache her etwas aus der Zeit gefallen und hat in den Händen ihrer Enkel nun den Chic und Charme eines modernen und trotzdem gemütlichen Stadthotels angenommen, in dem man dem Gast einen Wunsch von den Augen abliest.

Zum Abendessen sind wir im nahe gelegenen Johanniterhof, bei Kässpätzle und Spieß… und in einer familiären Runde bei Zweigelt und Marillenschnaps!

Die Stadt ist im Übrigen umgeben von Reben – Kaiser Maximilian soll nach ausgiebigem Weingenuss einmal gesagt haben: „Wenn der liebe Gott einmal nach Feldkirch kommen sollte, muss er sich ein Räuschlein antrinken…“

Der lebensfrohe Monarch hat seiner Geliebten Gräfin Anna das versteckte Schlösschen Amberg auf einem Bergrücken geschenkt, das trauliche und illegitime Liebesverhältnis blieb aber nicht folgenlos…
Über etliche Stationen gelangte es 1928 in den Besitz der Familie Scheyer, die das Anwesen innen wie außen stilgerecht renoviert und immer in Schuss hält. Das Haus steht der Eventmanagerin Karin Peer mit ihrer Agentur ‚peerfect’ für Veranstaltungen als feste ‚Location’ zur Verfügung. Von Firmenevents bis zu Hochzeiten wird alles ‚peerfekt’ organisiert. „Bei der Planung von Hochzeiten, muss ich aber manchmal ein wenig schmunzeln, denke ich an den Anfang der Geschichte des Schlösschens Amberg!“

Und noch eine Besonderheit liegt in Feldkirchs Nähe… ein tibetisches Kloster mit bunter Stupa und rotgewandeten Möchen, die dort vor der Alpenkulisse wie von einem anderen Stern gefallen zu sein scheinen.

À propos Sterne und Astronomie:
Feldkirch war 1514 der Geburtsort von Georg Joachim Rheticus, der nach dem Gebirgszug des nahen Rätikons seinen Namen latinisierte. Nach Besuch der Lateinschule in Feldkirch interessierte er sich besonders für die neue Deutungen des Planetensystems von Kopernikus, wurde schon mit 22 Jahren Professor in Wittenberg und besuchte von dort aus den berühmten Astronomen – aufgrund seiner damals mutigen Veröffentlichungen wurde ein Gebirgszug auf dem Mond, der Rhaeticus nach ihm benannt….

Vielleicht ist die Habsburger Geschichte in Feldkirch auch deshalb nicht mehr so präsent, da der letzte Habsburger Karl nach seiner zweimaligen Ausweisung 1919 und 1921 immer mit dem Zug über Feldkirch in die Schweiz nach Basel (Les Trois Rois) emigrierte... wie in der NS-Zeit dann aus anderen Gründen Carl Zuckmayer und auch James Joyce!



Statue von Heinrich Hansjakob in Hagnau auf dem Weg nach BregenzArbeitszimmer Hansjakobs in der Winzervereinigung Hagnau (H. Matt-Willmatt) ZeppelinBregenz - Panoramafoto (Curt Huber)Seebühne BregenzBregenzVorarlberg Museum BregenzBregenz RathausBregenz RathausBregenz RathausBregenzBregenzBregenz  MartinsturmBlick auf Gallus Kirche in BregenzBregenz Gallus KircheBregenz Gallus KircheBregenz Gallus KircheBregenzBregenz Schmalstes HausBregenz StadtbildBregenzHohenemsHohenemsHohenemsHohenemsHohenemsHohenemsHohenemsHohenemsGaststätte in HohenemsHohenems Schlosscafé FenkartFeldkirch SchattenburgFeldkirch SchattenburgBlick auf Feldkirch von der SchattenburgFeldkirch Innenhof Schattenburg mit Hubertus-Stube...Feldkirch MontforthausFeldkirch MontforthausFeldkirch MontforthausFeldkirch Hotel PostFeldkirch ArkadenFeldkirch Gasthof LinggFeldkirch Gasthof LinggFeldkirch Schloss AmbergFeldkirch Schloss AmbergFeldkirch Schloss AmbergFeldkirch Schloss AmbergFeldkirch Schloss AmbergFeldkirch Schloss Amberg - HumidorFeldkirch RathausFeldkirch RathausFeldkirch StadtbildFeldkirch StadtbildFeldkirch DomFeldkirch DomFeldkirch DomFeldkirch Gutwinski HotelFeldkirch Restaurant JohanniterhofVorarlberger Käsespätzle mit KartoffelsalatFleischspieß Feldkirch Buddistisches KlosterFeldkirch Buddistisches KlosterFeldkirch Buddistisches Kloster


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